Ausstellung

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Paul Kolling: Westwärts

29.10.2022 — 26.2.2023

Künstlergespräch: Donnerstag, 2.2.2023, 19 Uhr | Eintritt frei

in einem abgedunkelten Saal stehen mehrere Projektoren, die auf frei hängende Leinwände Filme projezieren

Paul Kolling: Westwärts (Installationsansicht), Foto: Stephan Baumann, www.bild-raum.com

in einem abgedunkelten Saal stehen mehrere Projektoren, die auf frei hängende Leinwände Filme projezieren

Paul Kolling: Westwärts (Installationsansicht), Foto: Stephan Baumann, www.bild-raum.com

Handel wird seit Menschengedenken getrieben. Und auch wenn die Finanzbranche vielleicht den prägenden Handelstyp unserer Zeit hervorgebracht hat, werden noch immer täglich Güter auf der ganzen Welt von Produzierenden zu Endverbraucher*innen transportiert. Die Seidenstraße steht als sagenumwobenes Symbol nicht nur für den Transfer unterschiedlicher Handels-, sondern auch von Kulturgütern.
Der Begriff „Seidenstraße“ wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts vom deutschen Geografen und Kartografen Ferdinand von Richthofen geprägt, und zwar für ein komplexes Netz von Handelsrouten, die Asien mit Europa verbanden. Entgegen dieser präzisen Beobachtung mehrerer Streckenverläufe hielt sich die Vorstellung eines einzigen geheimnisvollen Transportweges in den Köpfen der Menschen. Die so genannte Neue Seidenstraße weckt hingegen wenig romantische Ideen jenseits reiner Marktinteressen. Maßgeblich durch China finanziert und vorangetrieben, verbindet dieses infrastrukturelle Megaprojekt die Volksrepublik mit ihren Märkten.
Trotz technologischer Fortschritte auf dem Gebiet der Logistik und des Warentransports scheinen manche Geheimnisse überdauert zu haben. So sind bis auf einige Umschlagplätze und zentrale Transportzeiten fast keine Informationen zu Zugstrecken bekannt. In einer gemeinsamen Recherche mit dem Filmemacher Jack Wolf spürte Paul Kolling den tatsächlichen Gegebenheiten dieses wenig greifbaren, grenzüberschreitenden Warenflusses nach. Basierend auf seinen Recherchen zur nördlichen Transportroute sind mehrere Werke entstanden, darunter die für die Ausstellung zentrale Filminstallation Break of Gauge.

Gerade der Siegeszug der Eisenbahn und des Mediums Film hatte immensen Einfluss auf den Menschen und veränderte seine Erfahrung von Raum und Zeit und die eigene Verortung in der Welt grundlegend. So ist die Präsentation von Break of Gauge in ihrer Form analoger Filmprojektionen nur konsequent und die MEWO Kunsthalle mit ihrer Nachbarschaft zum Bahnhof Memmingen und den parallel laufenden Gleisen ein passender Rahmen.

Die gezeigten Werke Kollings öffnen den Raum für Fragen, welche ganz realen – ökonomischen, politischen und sozialen – Auswirkungen derartige Großprojekte für die Welt, die bestehenden Machtverhältnisse und die realen Lebenssituationen der Menschen mit sich bringen.

Paul Kolling (*1993) beschäftigt sich mit infrastrukturellen und ökonomischen Prozessen und deren geopolitischen, ökologischen und sozialen Implikationen. Mit der Filminstallation Break of Gauge schloss Kolling sein Studium bei Simon Denny an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg ab. Zusammen mit Paul Seidler und Max Hampshire initiierte Kolling u. a. das Projekt terra0, welches mittels Ethereum Blockchain Technologie die Selbstverwaltung eines Waldes organisiert. Kollings Arbeiten und Projekte wurden u.a. bei der transmediale, Ars Electronica, Biennale de Lyon, Furtherfield Gallery, Drugo More, re:publica, Schinkel Pavillon und der Wiener Biennale präsentiert.

Diese Ausstellung wurde kuratiert von Axel Städter.

Gefördert durch
Stiftung Kunstfonds

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