Anicuța Levin-Belau

*1886 in Bukarest, †1965 in Edinburgh

Anicuța Belau (die in der Literatur zu Max Unold bislang nur als Anicuța oder Anikuzza bekannt war) war eine junge Frau aus großbürgerlicher rumäniendeutscher Familie (ihr Vater, Paul Belau, war ein international tätiger Architekt, der maßgeblich am Bau des Gran Teatro in Havanna beteiligt war), die 1907 aus Bukarest nach München kam, um sich zur Künstlerin ausbilden zu lassen. Kurz nach ihrer Ankunft lernte sie Max Unold kennen, erste Liebesbriefe wurden im Mai 1908 ausgetauscht. Bis 1915 war sie seine Lebensgefährtin, Muse und engste Beraterin. In dieser Zeit entstanden einige bedeutende Portraits, deren bekanntestes die Dame im blauen Kleid (1913) ist.

Briefe in ihrem umfangreichen schriftlichen Nachlass, der mittlerweile an der University of Edinburgh verwahrt wird, zeichnen uns das Bild einer aufgeschlossenen jungen Frau, die Teil der künstlerischen Boheme in München war. Sie pflegte zahlreiche Freundschaften mit Künstlern und sah sich ihre Rolle als Muse und Salonnière. Zu ihrem Freundeskreis zählten unter anderen Joachim & Leonharda (Muschelkalk) Ringelnatz, Richard Koester (Karl Kinndt), Annemarie (Mirl) Seidel, Edwin Scharff und Oskar Coester.

Im April 1915 trennte sich Anicuța Belau endgültig von Max Unold; im Herbst desselben Jahres kam es zur Verbindung mit Ernst Levin, einem Arzt und langjährigen Freund, dessen Vater der Berliner Kommerzienrat und Mäzen Willy Levin war. 1917 heirateten die beiden, zwei Jahre später kam die gemeinsame Tochter Anna Katharina (Annekathrin) zur Welt. Es folgen turbulente Jahre in München.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Ernst Levin 1933 nach Edinburgh. Er arbeitete dort als Neurologe an der University of Edinburgh. Anicuța Levin-Belau verblieb zunächst in München. Doch mit der Zeit wurde die Situation auch für sie und vor allem für ihre Tochter Annkathrin unerträglich, denn diese galt nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 als „Halbjüdin“. 1937 folgten beide Ernst Levin nach Edinburgh.

Nach 1945 lebte der Briefverkehr mit Max Unold vorsichtig wieder auf.

Anicuța Levin-Belau und Ernst Levin kehrten nie nach Deutschland zurück.
 

 
Max Unold: Abend, 1930

Max Unold: Abend, 1930