Ausstellung

 

Die Bilder, die wir sehen, sind nie das komplette Bild unserer Wahrnehmung. Erwartungen spielen eine große Rolle dabei, was wir wie sehen. Unser Bild der Welt, es entsteht im Kopf.
Edgar Leciejewski setzt sich mit der Nutzung und der Wirkung von Bildern auseinander. In seinen Arbeiten analysiert er die Fotografie und das fotografische Bild und hinterfragt dieses vermeintlich so realitätsnah abbildende Medium. In A Circle Full of Ecstasy zeigt er 77 Fotografien von Politikern, die er aus diversen Publikationen zusammen getragen hat. Alle haben die rechte Hand zum Gruß erhoben und winken ihrem Publikum zu. Die Fotos sind bearbeitet und erscheinen im typischen Blaustich der Cyanotypie, einer frühen Form der Fotografie. Die Serie steht als eine Typologie politischer Gesten, als ein Katalog non-verbaler Äußerung. Gleichzeitig unterscheiden sich alle Aufnahmewinkel um wenige Grad und aus dieser Verschiebung entsteht beim Betrachten eine Bewegung, in der die Kamera die Politiker schrittweise umrundet.Welche Informationen enthalten die Bilder, die wir sehen? In der Serie ›Zwölf‹ zeigt Leciejewski großformatige Portraits von Künstler freunden, wobei die Gesichter in einem horizontalen Streifen am oberen Bildrand sorgfältig mit Sandpapier weggeschmirgelt wurden. Was bleibt sind die Körper, die Körperhaltungen und die Kleidungsstücke. Mit letzteren wurden wiederum auch die Rahmen der Fotografien bezogen, und stellen so eine sehr reale, wenn auch abstrakte und wenig bildhafte Verbindung zum Bildgegenstand her.

Edgar Leciejewski (*1977 in Berlin) studierte an der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst in Leipzig. Er lebt und arbeitet in Leipzig und Ho-Chi-Minh-Stadt.

 
Edgar Leciejewski: A Circle Full of Ecstasy

A Circle Full of Ecstasy/Daniel, 2016