Vergangene Ausstellung

Julius Guggenheimer: Fotograf

29. Januar – 19. Juni 2016

Eröffnung: Donnerstag, 28. Januar 2016, 19 Uhr; Eintritt frei

Julius Guggenheimer: Memminger Ach

Julius Guggenheimer: Memminger Ach

 

Über 70 Jahre lang hat niemand mehr die Aufnahmen gesehen, die Julius Guggenheimer zu Beginn der dreißiger Jahre in der Benediktinerabtei Ottobeuren gemacht hatte. Die Fotografien zeigen Mönche im Gebet und bei der Arbeit sowie franziskanische Ordensfrauen, die sich zu jener Zeit im Kinderheim um die Mädchen kümmerten und auch die Küche versorgten. Kaum jemand wusste noch, dass diese Aufnahmen überhaupt existierten. Zwar hatte Lorle Michaelis, die Tochter Guggenheimers in einem Gespräch einmal “seine Licht- und Schattenstudien im Kloster Ottobeuren” erwähnt, doch mussten sie als verloren gelten, wie so viele andere Dokumente und Kunstwerke dieser Zeit.

Julius Guggenheimer hatte die Glasnegative mit ins Exil nach Amsterdam genommen. Sie waren ihm ein wichtiger Besitz, der ihn wohl an die Heimat erinnerte, der ihm aber auch als Referenz dienen und seine Fähigkeiten als Fotograf unter Beweis stellen konnte. Einige wenige Aufnahmen wurden in Fotozeitschriften veröffentlicht. Bevor er 1943 nach Westerbork deportiert und später in Sobibór ermordet wurde, übergab er diese Platten an Paul A. J. Wijnhoff, der ihm in seinem Fotografischen Atelier gelegentlich assistiert hatte. Wijnhoff verwahrte die Negative sicher, und nach seinem Tod kamen sie mit seinem Nachlass zunächst ins Stadsarchief Amsterdam und von dort ins Nederlands Fotomuseum in Rotterdam.

Nach so vielen Jahren ist dies ein ganz außergewöhnlicher Fund, denn die Bilder sind eindringliches Zeugnis der Künstlerpersönlichkeit Julius Guggenheimers. Seine Fotografien pittoresker Gassen und Kanäle in seiner Heimatstadt Memmingen führten längst schon den Beweis über seine Kunstfertigkeit, doch diese Studien des Klosterlebens gehen weit darüber hinaus. Sie sind nicht mehr einzelnes Bild sondern künstlerisches Projekt.
Auch eröffnen sie interessante Fragen über die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religion. Dies war nicht einfach ein jüdischer Fotograf, der in einem Kloster fotografierte. Die katholischen Mönche und Priester, wie auch die Nonnen, arbeiteten gemeinsam mit ihm an diesen Bildern. Sie standen Modell und spielten auch unterschiedliche Rollen. Durch den Fund der Fotos aus Rotterdam konnten auch im Archiv der Benediktinerabtei noch einige Negative von Guggenheimer identifiziert werden. Sie zeigen alle den damaligen Pfarrer von Ottobeuren, P. Wolfgang Fella, und legen nahe, dass diese Kollaboration ein Resultat des Austauschs zwischen ihm und Julius Guggenheimer war.

 
Portraitfoto von Julius Guggenheimer
 
Logo der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Alois Goldhofer Stiftung, der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. – Arbeitsgemeinschaft Memmingen.